Kennenlern-Paket 2019

Tempranillo

Herkunft

Es gilt als bewiesen, dass das Ebrotal als die Wiege der Tempranillo-Traube feststeht. Ein Forscherteam des Instituto Madrileño de Investigación y Desarollo Rural, das ein umfangreiches Versuchsfeld von 430 Rebsorten bei Alcalá de Henares unterhält, verkündete 2011 das Ende seiner Suche nach den genetischen Eltern der berühmtesten spanischen Rebsorte. Demnach steht nach einem Jahrzehnt Forschungsarbeit unzweifelhaft fest, dass der rote Spanien-Star auf die weiße Albillo und die praktisch aus gestorbene rote Benedicto zurückgeht. Während die weiße Sorte immerhin noch auf rund 850 Hektar im nördlichen Spanien angebaut wird, ist die wahrscheinlich in Aragón beheimatete rote Traube fast gänzlich verschwunden. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die beiden Trauben auf natürliche Weise gekreuzt haben. Wahrscheinlicher Ort und Zeitpunkt des Geschehens: das Ebrobecken im 11. Jahrhundert.

Die Tempranillo-Traube gilt heute als typische Sorte in Rioja. Diese für das Herkunftsgebiet Rioja charakteristische Traubensorte ist nicht nur eine der wichtigsten edlen Rebsorten der Welt, sondern bildet auch die Grundlage der Identität der Rioja-Weine. Sie nimmt rund 75 % der gesamten Anbaufläche ein, gilt aus önologischer Sicht als äußerst vielseitig und ist in der Lage, Weine mit sehr großem Ausbaupotential und hervorragender Ausgewogenheit in Bezug auf Alkoholgehalt, Farbe und Säure zu erzeugen. Aufrichtig, mild und fruchtbetont am Gaumen erlangen die Weine dieser Traubensorte eine herrliche, samtene Geschmeidigkeit im Alter.

Sicher liegt die Heimat der Sorte in Nordspanien, auch wenn man den Namen in der Rioja erst relativ spät findet. Der Rebsortenexperte Luis Hidalgo Fernández-Cano erwähnt eine Nennung im Jahr 1762 durch den Bürgermeister des Ortes Najera. Der Rebsorten-forscher Simón de Roxas beschreibt die Sorte schon im 17. Jahrhundert recht deutlich und gibt ihr den Namen „Cupani“. Die Pflanze wächst besonders gut in lehmigen Kalkböden. Sie reift in Spanien früher als die meisten anderen Rebsorten und reagiert in Aromatik und Konzentration sehr stark auf ihre äußere Umgebung. Bei guter Wasserversorgung und fertilen Böden neigt sie zu Großbeerigkeit und Überertrag, dankt jedoch dem Winzer Ertragsbegrenzung mit sehr konzentriertem Most und hohen Polifenolwerten. Ähnlich dem Riesling ist Tempranillo in der Lage, in kühleren Regionen auch bei relativ niedrigen Alkoholgehalten biologische und geschmackliche Reife zu erreichen.

Im Laufe ihrer Verbreitung von ihrem Ursprungsgebiet Rioja aus entwickelte die Rebe durch Anpassung an Wachstumsbedingungen und ständige Auslese der Winzer regionale Ausprägungen. Die genetische Vielfalt in Spaniens Weinbergen ist heute enorm. Der Experte Fernando Martínez de Toda hat sehr viele verschiedene, abgrenzbare Tempranillo-Familien gefunden. Dabei liegen der Tinto de Madrid und der Tinto de Toro genetisch etwas weiter entfernt von allen anderen, sodass man diese beiden oft als eigene Sorten interpretiert.

Eigenschaften

Wie schmecken die Weine? In ihrem Buch „Reben, Trauben, Weine“ beschreibt die englische Autorin Jancis Robinson die Besonderheit der Tempranillo und stellt dabei eine Verbindung zu anderen großen Rebsorten der Welt her. Sie sagt über die nicht nur der Fläche nach wichtigste spanische Rebe: „Lässt man Rioja als Spaniens Bordeaux und Burgund in einem gelten, dann muss man die berühmte Tempranillorebe als Vereinigung von Cabernet-Sauvignon und Pinot Noir betrachten.“ An anderer Stelle stellt die englische Autorin fest, Tempranillo berge die positiven Eigenschaften sowohl des Pinot Noir wie des Cabernet Sauvignon in sich. Der Gedanke hat einiges für sich, nicht etwa, weil manchmal irrtümlich behauptet wird, Tempranillo sei eine Variante des Cabernet Franc oder des Pinot Noir und sei von Pilgern auf dem Weg nach Santiago de Compostella in der Rioja angesiedelt Tempranillo die Fähigkeit, beachtliche Gerbstoffe zu entwickeln und auch bei hervorragenden und haltbaren Weinen mit geringeren Alkoholwerten auszukommen.

Doch ist die edle spanische Rebe weit davon entfernt, andere Weine kopieren zu wollen. Dazu waren alleine schon die Weine ihrer Heimat, der Rioja, immer zu eindeutig in ihrem charakteristischen Aroma und ihrer eleganten Struktur. Die Tempranillo variiert ihren Stil stark mit dem Terroir, auf dem sie wächst. Steht sie auf Kalkboden – den sie besonders mag – so bringt sie fruchtig-duftige Weine, die oft an Kirschen oder Pflaumen erinnern. Auf Flussgestein dominieren florale und mineralische Aspekte. In kühlem Klima fallen die Weine strukturiert und oft nicht unbedingt alkoholstark aus (weshalb in der Rioja traditionell Garnacha Fülle und Alkohol in die Cuvée einbringt). In warmen Regionen wie Valdepeñas bringt sie runde, zugängliche, vom Duft nach sehr reifen Früchten und geringer Säure geprägte Weine hervor. Alkoholreife und Gerbstoffreife können an sehr warmen Standorten auseinanderdriften. Ihr größter Vorteil ist jedoch die ausgeprägte Harmonie. Tempranilloweine zeigen selten befremdliche, schwierige Aromen, keine schwer durchschaubare Struktur, keine aggressiven Tannine, keine anstrengende Säure. Diese bei jedem Wein notwendigen Komponenten scheinen wie von Meisterhand ineinander gefügt, mal den einen, mal den anderen Aspekt. Ein großer Wein muss ja nicht unzugänglich und kompliziert sein. Große Tempranillos sind dafür meisterhafte Beispiele.

Die enorme Bedeutung dieser Rebe für das Image des spanischen Weines haben die Winzer erst erkannt, als der Weinexport größere Bedeutung erlangte. Regionen, in denen viel Tempranillo angebaut wurde, hatten im Export Vorteile. Bei Verkostungen bestand die weitaus größte Zahl der hoch bewerteten spanischen Weine vorwiegend aus Tempranillo. Das habe, folgerten die Winzer, nicht nur mit Herkunft und Terroir, sondern auch mit der Rebsorte zu tun. Tempranillo wurde bald eloquenter Botschafter seines Landes in aller Welt. Gleichzeitig stiegen überall in Spanien die Anbauflächen. Anfang der 90er Jahre wurde Tempranillo die meist angebaute rote Sorte Spaniens. Stand sie 1990 noch auf etwa 85.000 Hektar, so wuchs die Anbaufläche auf mittlerweile 207.000 Hektar (2008).

Fachleute nicht nur in der Rioja legen aber Wert auf die Feststellung, dass Tempranillo eine „Atlantische Sorte“ ist, die kühlende Nächte braucht, die duftig-fruchtige Aromen entwickelt, die ausgezeichnetes Alterungspotenzial besitzt, deren Weine sich vor allen Dingen durch Finesse auszeichnen, aber im Anbau Reduktion der Erträge erfordert. Nicht überall also lässt sich die Sorte gerne nieder, vor allem nicht in sehr heißen Lagen. Es ist in der spanischen Fachwelt nahezu unbestritten, dass Tempranillo Kalkböden liebt. Hier haben Rioja und Ribera del Duero ihren Vorteil, so unterschiedlich die beiden Regionen auch sein mögen. Auf der für La Mancha typischen, eisenhaltigen sandig-lehmigen Erde fallen die Weine weniger duftig aus, ebenso auf den Flussgesteinsböden in Toro. Gerade diese Vielfältigkeit, die Fähigkeit der Sorte, unter verschiedenen Bedingungen ganz unterschiedliche Weine zu bringen, wird von Experten immer wieder betont und als Zeichen für die hohe Qualität der Sorte interpretiert.

Ausgangsbasis Rioja

Vor der Reblauszeit, aber auch kurz nach dem zweiten Weltkrieg, war die Bedeutung des Tempranillo im spanischen Weinbau erheblich geringer als heute. Der Rebforscher Prof. Fernando Martínez de Toda schätzt trotz größerer Weinbauflächen deutlich weniger Tempranillo: „Zu dieser Zeit gab es kaum mehr als 30-40.000 Hektar, den Großteil in der Rioja.“ Das änderte sich mit dem Aufbau definierter Herkunftsbezeichnungen, der Umstrukturierung von Weinbergen infolge des EG-Beitritts und dem Erfolg von Herkünften wie Ribera del Duero. Zu Beginn der 90er Jahre begann der Siegeszug der Rebe, die heute in großen Teilen Spaniens, in D.O.-Regionen ebenso wie in Tafelweingebieten angebaut wird. Mehr als 50 Prozent der gesamten D.O.-Flächen bedeckt sie in den Anbaugebieten Ribera del Duero, Toro, Rioja und Ribera del Guadiana sowie im kleinen Cigales. Große Tempranillo-Flächen stehen außerdem in Valdepeñas, in der Mancha, in Navarra und in Utiel-Requena. In den verschiedenen Anbaugebieten Kataloniens dagegen bleibt der Anbau mit insgesamt etwas mehr als 4.000 Hektar relativ bescheiden.

In der Heimat der Sorte gab es jahrzehntelang kaum sortenreine Tempranillos. Fast immer bestanden die Weine aus Tempranillo und Garnacha sowie kleinen Teilen der anderen zugelassenen roten Sorten Mazuelo und Graciano. Angesichts sehr verschiedener Weine in der Rioja und anderen Regionen muss stark generalisiert werden, wenn man den Tempranillo-Typ einer Region beschreiben will. Bestimmte Elemente des Geschmacks und des Aromas kehren in den wichtigsten Regionen so häufig wieder, dass man sie festhalten kann.

Gute Reife und Haltbarkeit auch bei moderatem Alkohol ist typisch für den Rioja-Typ des Tempranillo, insbesondere bei traditionellen Weinen. Aromatisch bewegen diese sich häufiger im Bereich roter Früchte (eingelegte Schattenmorelle, Kirsche, Himbeere). Auf schwereren Böden in Ebronähe können auch Lakritzaromen auftreten. Selbst bei hochreif geernteten, modernen Riojas bleibt der Körper meist eher elegant als tanninbetont. Finesse statt kraftvoller Dichte prägt die Weine, die im Nachhall eher durch Säure als durch Gerbstoffe Länge gewinnen.

Herausforderer Ribera del Duero

In den 80er Jahren begannen Winzer der damals neu gegründeten Region Ribera del Duero, das wertvolle Terroir für hochwertige Rotweine zu erschließen. Der Oberlauf des Duerotales ist insgesamt von unberechenbarerem Terroir und Klima geprägt. So entsteht oft wildes, fleischiges bis saftiges Aroma, das eher an dunkle Früchte (Pflaume) oder Beeren (Blaubeeren, Brombeeren) erinnert. Reifer Ausdruck entsteht hier selten bei Weinen unter 13 % vol., die in der Jugend häufig etwas ungehobelt wirken können. Voller Fruchtgeschmack, spürbare Gerbstoffe, dennoch im besten Fall fruchtsäuerlicher Nachhall sind Stärken dieser Tempranillos, bei denen Eleganz und Körper gleichermaßen vorhanden sind. Gezähmt und geschliffen erreichen diese Weine Weltklasseniveau und setzten deshalb in den 90er-Jahren die Rioja unter Druck. Die Anbaufläche der D.O.-Region bleibt aber mit 20 800 Hektar noch relativ klein im Vergleich zu Rioja. Allerdings wächst in Ribera del Duero fast ausschließlich Tempranillo.

Die Nichten und Neffen: Toro und Cigales

Die kleinen Regionen Toro und Cigales sowie Tierra del vino de Zamora liegen ebenfalls am Duero und besitzen ausgezeichnetes Tempranillo-Terroir, in Toro geprägt von Flussgesteinsböden und sehr warmem Sommerklima. Toro ist der konzentrierte Kraftprotz unter den Tempranillo-Regionen mit warmen Aromen reifer roter Früchte, manchmal als Kompott oder Konfitüre, häufig ledrigen und floralen Aspekten (Rosen, Pfingstrosen), manchmal mineralisch. Der runde und sehr kompakte Körper verlangt nach kräftigen Speisen. Cigales und Zamora liegen je nach Situation der Weinberge geschmacklich näher bei Ribera del Duero oder bei Toro, in jedem Fall dazwischen.

Der Süden: Hochlagen im Vorteil

La Mancha, Valdepeñas und die Extremadura besitzen große Flächen an Tempranillo, der hier weniger alkoholschwer als häufig vermutet ausfällt. Die meisten Weine sind unkompliziert und zugänglich im Duft. Als typische Aromen findet man oft sehr reife, rote Früchte und Marmelade bis hin zu Datteln. Auch rauchige, ledrige und erdige Töne entwickeln diese süße Gerbstoffe. Dafür sind kühle Nächte erforderlich, weshalb die besten Tempranillos im Süden vor allem auf kühlen Hochlagen, oft über 800 Metern wachsen.

Viele Namen

Fast jede spanische Region benutzte traditionell einen anderen Namen für die Tempranillo-Rebe. Auch in anderen Ländern heißt sie selten Tempranillo. Doch nach und nach setzt sich die Bezeichnung Tempranillo durch. Die wichtigsten Synonyme sind:

Ull de Llebre, Ojo de Liebre (beides Katalonien),

Cencibel (Mancha, Valdepeñas),

Tinto fino, Tinto del país (Ribera del Duero),

Tempranilla (Argentinien),

Tinta Roriz, Aragonés (Portugal),

Jacivera (Manchuela), Grenache de Logroño (Frankreich)

und Tinta de Toro (Toro, aber eine genetisch veränderte Sorte).

Vereinzelt wird die Sorte auch Aragón, Arganda, Tinta Santiago, Verdiell, Escobera, Chinchillano, Vid de Aranda, Tinto Madrid (ebenfalls genetisch ein Stück entfernt) und Tinto Veretuo genannt. Quelle: VinosVinos 02/2009

Sortenreine Tempranillo-Weine in unserem Sortiment

Lerma, Crianza

Ochoa, Tempranillo Crianza

Aster, Finca El Otero

La Planta

Pago Florentino

Vina Tobia, Tinto

Vina Izadi, Crianza

Vina Izadi, Expresion

Ontanon Tinto

Malpuesto

Vina Alberdi, Reserva

Rejadorada, Roble

Novellum, Crianza

Sango, Reserva

Flor de Vetus

Vetus

Celsus